Twitter in Cuba hat Seltenheitswert

Es ist nicht so, dass man Twitter in Cuba nicht kennt, trotzdem hat Twittern bei den Cubanern Seltenheitswert. Schuld ist das schlechte Internet.

Twitter-Treffen in Havanna

In der Hauptstadt Havanna haben sich nun erstmals die twitternden Cubaner getroffen. Wer denkt, dass eine Vielzahl von User zum Twitter-Treffen gekommen sind, der irrt. Die Zahl der Anwesenden war überschaubar. Nur wenige Dutzend Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil. Gesprächsstoff gab es dennoch genug. So tauschte man beispielsweise Erfahrungen mit der Microblogging Software Twitter aus und verglich die Anzahl der Follower der jeweiligen Nutzer.

Schlechte Internet-Verbindungsrate in Cuba

Besonders zum Thema Internet tauschten sich die Twitter-Freunde untereinander aus. Cuba hat weltweit die zweitschlechteste Verbindungsrate im Web. Dies hat zur Folge, dass das Internet lahm ist und die Online-Kosten enorm hoch sind. Einen eigenen PC oder Laptop mit Internetzugang, wie es in westeuropäischen Ländern üblich ist, ist in Cuba rar. Eine noch schlechtere Verbindungsrate als der Inselstaat hat lediglich die im indischen Ozean liegende Insel La Mayotte.

Wirtschaftsembargos durch die USA

Zu diesen Engpässen kommt es durch den Wirtschaftsembargos durch die USA. Beide Nationen führen keinen Handel miteinander was zur Folge hat, dass Cuba nicht über Kabel in das World Wide Web gelangt. Einzig die Satellitenverbindungen machen den Zugang möglich. Diese sind wie schon angesprochen aber teuer und langsam.

Leunam Rodriguez ist einer der wenigen, der Twitter in Cuba nutzt

Leuman Rodriguez gehört zur Minderheit derjeniger, die das Micro Blog nutzen. Statistiken zufolge haben nur knapp 3% der Cubaner einen direkten Zugang zum Internet. Dies macht es für Twitter User im Land natürlich nicht leicht, viele Follower zu generieren. Rodriguez zählt bis dato immerhin 208 Personen, die seine Tweets lesen. Damit gehört er im Land zur Spitzengruppe.

Venezuela könnte für Rettung sorgen

Nachbarland Venezuela könnte die Rettung Cubas sein, was das Internet anbelangt. Eine unterirdische Glasfaserleitung zwischen beiden Ländern wurde verlegt und wartet auf die Freischaltung. Möglicherweise wird diese bereits in diesem Monat durchgeführt. Allerdings sieht die Regierung vor, den neuen Zugang hauptsächlich für soziale Einrichtungen zu nutzen. Ob Privathaushalte also von dieser Entwicklung profitieren, bleibt abzuwarten.

Twitter kostet in Cuba ein Monatsgehalt

Durch die begrenzte Zugangsmöglichkeit haben Twitter User die Möglichkeit, Tweets per SMS abzusenden. Das Einrichten dieses Dienstes kostet allerdings vier Dollar. Hinzu kommt ein weiterer Dollar, der an Gebühren erhoben wird, wenn ein Tweet per SMS gesendet wird. Zwei Dutzend Tweets können demzufolge ein ganzes Monatsgehalt eines Cubaners kosten.

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3 thoughts on “Twitter in Cuba hat Seltenheitswert

  1. Hi,

    ich glaube, dass der mangelnde Bekanntheitsgrad von Twitter auf Cuba nicht nur mit der mangelhaften Verbreitung von Internet generell zu tun hat, sondern auch damit, dass Twitter einem mit den Möglichkeiten der Technologie gewachsenen Kommunikationsbedürfnis entwachsen ist. Das heißt, Twitter entstand nicht nur dort, wo man dazu die nötige Infrastruktur hatte, sondern auch den Bedarf an Kurzkommunikation und Verbreitung.
    Die technische Situation mit Internet bzw Datenkommunikation könnte sich nach dem erfolgreichen Testlauf mit der Unterseeleitung von Venezuela nach Cuba rasch verbessern – wobei es jedem klar sein muss, dass zuerst die universitären und medizinischen und militärischen Einrichtungen profitieren werden, und erst in zweiter Linie die Privatpersonen.

    Außerdem glaube ich, dass Twitter mit seiner technisch verschnörkelten Syntax nicht in die Kommunikationskultur der Cubaner passt. Der Bedarf, Kurznachrichten zu senden, scheint mit sms abgedeckt zu sein, alles andere bereden die Leute dort doch lieber von Angesicht zu Angesicht :-)

    Liebe Grüße,
    Peter

  2. Wenn man ehrlich ist hat Twitter vielleicht auch gar nicht so einen großen Stellenwert in Ländern, die nicht englischsprachig sind. Ich als Deutscher finde Twitter zwar ganz interessant, kann mich aber nicht sehr dafür begeistern. Tägliches Zwitschern würde mich eher langweilen. Hin und wieder ist es als Art Live-Ticker ganz interessant. Besonders wenn Nachmittags im TV wieder mal nur Müll läuft und sich die Menschheit dann darüber auslässt.

    Ich bin gespannt, was es bei meinem Kuba-Trip so alles zu entdecken gibt. Ende 2009 war ich in Vietnam. Das war sehr interessant. Kuba wird sicher ähnlich, wenn man als Rucksacktourist unterwegs ist und nicht nur am Strand liegt wie es der “herkömmliche” Urlauber macht. Das ganze Land bereisen und alles sehen, was es zu sehen gibt. Das ist meine Zielstellung für die paar Wochen auf der Insel. Die Vorfreue ist schon riesig.

    • Da freue ich mich ganz eindeutig mit Dir und drücke Dir die Daumen. Ich glaube, den “herkömmlichen” Reisenden wirst Du auf Kuba nur in den Hotelresorts in und um Varadero sehen. Sehr viele Besucher mieten sich privat ein (Wie meine Freunde und ich das tun), und erkunden dann zB mit einem Mietauto die nähere Umgebung. Für Rucksacktourismus fühle ich mich mit 46 Jahren schon ein wenig zu bequem.

      Zurück zu Twitter: Ich bin davon überzeugt, dass Twitter ganz folgerichtig aus unserem eher westlichsten Drang heraus entstand, uns ständig mitteilen zu müssen. Und zwar ohne Rücksicht darauf, ob wir überhaupt etwas mitteilenswertes zu berichten haben, und ob es überhaupt jemand interessiert.

      Twitter kann bei einer verbesserten Infrastruktur auf Kuba einen kurzen Hype auslösen, weil es ja überall die early adopters gibt, aber es würde wieder schnell nachlassen. Aus zweierlei Gründen: Erstens sind die Kubaner nun mal begeisterte Plaudertaschen, die ihren Kommunikationsbedarf überall und face2face stillen, und zweitens fehlt es mit Sicherheit an mobilen Devices, mit denen man Twitter füttern könnte.

      Liebe Grüße,
      Peter

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